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Lange Zeit wurde deutscher Rap vor allem wegen sexistischer oder homophober Texte kritisiert. Dies hat sich spätestens mit der Debatte um die Echoverleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang verlagert. Aktuell wird mehr über die Frage gestritten: "Hat deutscher Rap ein Antisemitismus-Problem?". Kristallisationspunkt der Debatte war eine Line auf dem neuen Album der beiden Rapper, in der es heißt: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" (Album "Jung, brutal, gutaussehend 3").

Für die meisten Medien war der Fall klar und die Empörung groß. Sie warfen Kollegah und Farid Bang ein geschlossenes antisemitisches Weltbild vor und forderten vehement den Ausschluss der beiden von der Echoverleihung. So schrieb beispielsweise die Bild-Zeitung: "Einen Preis für antisemitischen Hass und Menschenfeindlichkeit?" (04.04.2018) oder "Ihre Texte sind voller Gewalt und Antisemitismus." (29.03.2018). Im Kontext der Debatte wurden die Texte der beiden Rapper von einer Ethikkommission untersucht, welche letztendlich die zwei beim Echo zuließ, den sie dann auch in der Kategorie Hip-Hop/Urban gewannen.

Der überwiegende Teil der Rap-Szene und vor allem der Fanbase solidarisierte sich wiederum beissreflexartig mit Kollegah und Farid Bang und verneinte vehement den Vorwurf des Antisemitismus. Die einhellige Meinung war hier, dass es sich lediglich um eine Battle-Rapzeile handele, die zwar vielleicht geschmacklos sein möge, deshalb aber nicht antisemitisch sei. Kollegah meinte dazu in einem Video auf seiner Facebook-Seite: "Hip-Hop ist so weit von Rassismus entfernt wie keine andere Kultur."

Doch wie ist die Debatte einzuschätzen? Wer hat Recht? Transportieren Rapper wie Kollegah und Farid Bang antisemitische Stereotypen in ihren Songs, oder handelt es sich "nur" um schlechten Battle-Rap? Also schlicht ein geschmackloser "Marketing-Trick" oder ist Antisemitismus im deutschen Rap nun salonfähig geworden? Und müsste nicht eigentlich der Frage, inwiefern verschwörungstheoretische Denkweisen Antisemitismus im deutschen Rap begünstigen, mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden?

Um ein besseres Verständnis über die Entwicklung des deutschen Rap zu bekommen, haben wir Marcus Staiger eingeladen. Als Journalist und ehemaliger Labelbetreiber von "Royal Bunker" kennt er sich bestens aus im Rapgame. Mit ihm möchten wir darüber sprechen, ob deutscher Rap ein Problem mit Antisemitismus hat, worüber er auch einen Artikel für die Bundeszentrale für Politische Bildung verfasst hat (APuz 9/2018). Darüber hinaus wollen wir die Frage stellen, inwieweit die Debatte um Antisemitismus im deutschen Rap einerseits Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Problems ist und andererseits, wie durch rassistische Vorverurteilungen ein Teil der HipHopszene diskriminiert wird, ohne sich mit ihren oft sozialkritischen Inhalten genauer auseinandersetzen zu müssen.

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin


Teilnahmegebühr

Kostenfrei


Termin(e)

Do. 31.05.2018, 19:00 - 21:30 Uhr


Veranstaltungsort


Dozent/in

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Termin(e)

Do. 31.05.2018, 19:00 - 21:30 Uhr

Datum Zeit Straße Ort
Do. 31.05.2018 19:00 - 21:00 Uhr Sebastianstr. 21 Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Teilnahmegebühr

0,00 €

Format

mehrstd. Veranst.