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Der Novemberrevolution 1918 gingen Jahre von Protesten gegen den Ersten Weltkrieg und seine Verelendungserscheinungen voran. An allen Formen, von Krawallen wegen einer zu knappen oder ungerechten Verteilung der Nahrungsmittel über Demonstrationen gegen den Krieg, bis zu ökonomischen und politischen Streiks, waren Frauen maßgeblich beteiligt. Damit prägten sie die erste Welle der Revolution, tauchten aber kaum in der folgenden Rätestruktur und der Formung der Novemberrevolution auf. Die Auflehnung in Bayern kulminierte im April 1919 mit der Ausrufung der bayrischen Räterepublik, die dem herrschenden System für wenige Wochen eine revolutionäre, sozialistische Alternative gegenüberstellte. Auch wenn sich Frauen für die Räterepublik arbeitend und kämpfend einsetzten, standen strukturelle und systemische Gründe ihrer Beteiligung an der tatsächlichen Formung der Räterepublik im Weg.

In zwei aufeinanderfolgenden Vorträgen mit anschließender Diskussion wollen wir den Fragen nachgehen, wie es dazu kam, und was von ihren Forderungen erhalten geblieben ist. 

Simon Schaupp richtet seinen Fokus auf die Entstehung und die Grundlagen der bayrischen Räterepublik. Er vertritt zur Entstehung der Revolution von 1918/19 die These eines Zusammenfließens verschiedener Emanzipationskämpfe. Die Revolution war zunächst erfolgreich, weil sie die Kämpfe von Arbeiter*innen, Frauen, Arbeitslosen, Jüd*innen u.a. zusammengebracht hat. Später konnte sie jedoch unter anderem deshalb niedergeschlagen werden, weil diese Kämpfe wieder auseinanderdividiert wurden. Dania Alasti behandelt in ihrem Vortrag die Versuche eines gemeinschaftlichen Aufbaus einer anderen Gesellschaftsordnung während der bayrischen Räterepublik. Sowohl ihr Scheitern in der Überwindung der hierarchischen Geschlechterverhältnisse, als auch ihre Niederlage durch die Niederschlagung der Räterepublik werden thematisiert. Dies soll nicht nur die weitestgehend unbekannte Geschichte der protestierenden Frauen sichtbar machen, sondern auch ein anderes historisches Verständnis ermöglichen, das Geschichte nicht in eine Linie oder einen Antagonismus zwingt, sondern Abspaltungen, Brüche und Wiederholungen aufzeigt, und die Gründe dafür hinterfragt.

Beide Referent*innen setzen dabei auf eine Geschichte von unten, in der nicht nur die bekannten Persönlichkeiten eine Rolle spielen, sondern in der Frauen und Männer unterschiedlichster Milieus, auch aus ärmsten Verhältnissen, zu politisch Aktiven werden und die Revolution machen.

Dania Alasti ist Autorin und Doktorandin in Philosophie an der Freien Universität Berlin zum Thema »Gewalt und Frieden«. Ihr Buch zum Thema der Veranstaltung, "Frauen der Novemberrevolution. Kontinuitäten des Vergessens", erschien 2018 im Unrast Verlag.

Simon Schaupp ist Soziologe an der Universität Basel. Er forscht zu aktuellen und historischen Fragen von Macht und Widerstand. Sein Buch zum Thema der Veranstaltung, "Der kurze Frühling der Räterepublik. Ein Tagebuch der bayrischen Revolution", erschien 2017 im Unrast Verlag."  

Die Veranstaltung findet per Zoom statt. Für die Teilnahme benötigen Sie einen Computer und eine stabile Internetverbindung. Die Zugangsdaten werden rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn bekannt gegeben.

Eine Kooperationsveranstaltung vom Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und der Gruppe freie radikale – die verhältnisse zum tanzen bringen .

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.


Teilnahmegebühr

0,00 €


Termin(e)

Sa. 19.06.2021, 18:00 - 20:30 Uhr


Zeitraum

Beginn: 19.06.2021 18:00
Ende: 19.06.2021 20:30
Ort: Online-Veranstaltung


Anmeldeschluss:


18.06.2021


Veranstaltungsort

Zu dieser Veranstaltung sind keine Orte verfügbar.


Termin(e)

Sa. 19.06.2021, 18:00 - 20:30 Uhr

Für diesen Kurs sind keine Termine vorhanden.

Teilnahmegebühr

0,00 €

Format

Vortrag/Diskussion