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»Eine Kritik der Gewalt untersucht die Bedingungen der Gewalt und ihrer Rechtfertigung, aber sie fragt auch danach, wie die Fragen, die wir stellen, bereits im Vorhinein unser Verständnis von Gewalt bestimmen.« Judith Butler, 2007

Während es für die meisten einfach ist, sich persönlich „gegen Gewalt“ zu positionieren, dürfen wir uns nicht damit zufriedengeben. Gewaltverhältnisse prägen unsere Gesellschaft so gut wie immer und überall. So strukturieren kulturelle, strukturelle, symbolische und epistemische Gewalt die gesellschaftliche Ordnung. Gewaltverhältnisse können jedoch auch ständig verändert, unterbrochen, herausgefordert und bekämpft werden. Gerade deswegen ist es notwendig, verschiedene Ansätze und Facetten von Gewaltkonzepten und ihre Vereinnahmungen besprechbar zu machen und zu problematisieren. Wie sind unterschiedliche Gewaltphänomene miteinander verwoben und wer profitiert von ihnen?

Bei unserer dritten Fachtagung widmen wir uns Herrschafts- und Machtpraxen in Bildungskontexten und darüber hinaus. Dabei sprechen wir über koloniale, rassistische, sexistische und ableistische Gewalt. "Wie kann Gewalt thematisiert werden, ohne dass diese Praxis selbst zu unangemessener Gewalt wird?" (María do Mar Castro Varela & Paul Mecheril)

Ist unter diesen Bedingungen und Verstrickungen "Gewaltfreiheit" möglich?

María do Mar Castro Varela und Nikita Dhawan sind als Vortragende zu diesem spannenden Thema eingeladen. Koray Yilmaz-Günay führt durch die Tagung.

Die Tagung findet als Hybridveranstaltung statt und ist kostenfrei. Um vorherige Anmeldung über die Homepage des Bildungswerks wird spätestens bis zum 30.09.2022. gebeten. Veranstaltungsort ist das Refugio Berlin in der Lenaustraße 3-4. Es können maximal 60 Personen in Präsenz teilnehmen. Für alle anderen stehen ein Livestream und Online-Workshops zur Verfügung. Die Keynotes werden über Zoom live übertragen. Es gibt sowohl Präsenz- als auch Online-Workshops. Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie Online oder vor Ort im Refugio teilnehmen können. Die einzelnen Workshops sind auf 12 Teilnehmer*innen begrenzt, für die beiden Vorträge sind mehr Teilnehmer*innen zugelassen.

Wichtig zur Anmeldung:
Unten finden sich die Beschreibungen der Workshops. Einige finden in Präsenz und einige Online statt. Bitte tragen Sie im Feld „Bemerkungen“ bei der Anmeldung ein, ob Sie online über Zoom (O) oder in Präsenz im Refugio (R) teilnehmen möchten und an welchem Workshop Sie teilnehmen möchten (1-6).


Veranstaltungsablauf:
09:30 Beginn der Veranstaltung - Begrüßung durch Koray Yilmaz-Günay und Grußworte
10:00 Vortrag María do Mar Castro Varela - Wie kann "Gewalt" verstanden werden? In welchem Zusammenhang steht Gewalt mit Macht und Herrschaft, welche Rolle spielt insbesondere systemische Gewalt?
11:30 Workshopphase
14:00 Vortrag Nikita Dhawan
15:30 Künstlerischer Act von Lahya
(Lahya (Stefanie-Lahya Aukongo) ist eine Schwarze intersektional verwobene Künstlerin, deren gesellschaftliche Realitäten sich in all der Kunst und politischen Arbeit widerspiegeln.)
16:00 Ende der Veranstaltung

Workshops:

1) PRÄSENZ: Macht- und Gewalterfahrungen im Kontext politischer Bildung
Politische Bildungsarbeit soll zum kritischen Denken befähigen und gesellschaftspolitische Transformationsprozesse anregen. Doch auch hier wirken Macht- und Herrschaftsstrukturen, die Lernräume auf verschiedenen Ebenen strukturieren. Emanzipatorische Bildungsarbeit muss Gewalterfahrungen von Trainer*innen und Teilnehmer*innen mitdenken und Veranstalter*innen müssen dafür Verantwortung übernehmen. Unter welchen Umständen kann diskriminierungskritische Bildungsarbeit stattfinden und gelingen? In diesem Workshop thematisieren die Referentinnen Anti-Schwarzen Rassismus und Antisemitismus im Kontext politischer Bildungsarbeit. Dabei wollen wir uns gemeinsam über Erfahrungen, Wissensbestände und Netzwerke austauschen – Was sind Beispiele guter Praxis?
Makda Isak (Each One Teach One (EOTO) e.V.) & Susanna Harms (BildungsBausteine e.V.)

2) PRÄSENZ: Die Gewalt des Rassismus: Beschwerdemöglichkeiten als Strategie im Kontext von Schule
Die Aufgaben von Bildungsinstitutionen ist es allen Kindern gleiche Bildungsrechte zu sichern und die individuellen und sozialen und gesellschaftlichen Unterschiede zu berücksichtigen. Trotz der Gesetzeslage ist die Realität von vielen Schüler*innen und ihren Familien eine andere. Welche Möglichkeiten gibt es für Kinder und Eltern dies an Schulen zu thematisieren, einzufordern und Unterstützung zu erwarten, ohne dass es die Sorge um weitere Benachteiligung gibt? Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte müssen ebenso unterstützt und fortgebildet werden, dabei ist das Wissen um rassistische/antisemitische und weitere Diskriminierungsformen essentiell. Aus der Projektarbeit an Grundschulen möchten wir erste Schritte und Möglichkeiten aufzeigen, die es für eine Veränderung braucht und die Erfahrungen von Teilnehmenden mit einbinden.
Cvetka Bovha & Gudrun Greve (Bildungsteam Berlin Brandenburg e.V.)

3) PRÄSENZ: Muslimische Männer, Männlichkeit und Medien - Über die Konstruktion und Funktion von Narrativen
Im Input und gemeinsamen Gespräch soll Männlichkeit als Konstrukt in seiner politischen und gesellschaftlichen Bedeutung für männlich gelesene Personen diskutiert werden. Männlichkeit ist nie ein festes Konzept, sondern in stetigem Wandel. Am Beispiel muslimischer gelesener Männer soll das Konstrukt von Männlichkeit und die Funktion rassistischer medialer Debatten erläutert werden. Welche Bilder über muslimische gelesene Männer gibt es? Wie sind sie entstanden? Welche Verbindungen gibt es mit anderen als „migrantisch“ gelesenen Männlichkeiten? Dieser Workshop ist offen für alle Gender.
Fikri Anil Altintas (freier Autor und ehrenamtlicher #HeForSche Botschafter von UN Women Deutschland)

4) ONLINE: Gewaltprävention weiter-denken - Gewalt in Bildungseinrichtungen diskriminierungskritisch betrachten
Im Workshop beleuchten die Referentinnen den Zusammenhang von Wohlergehen, Zugehörigkeiten, pädagogischer Beziehung und wertschätzendem Miteinander. Aufbauend darauf blicken sie aus diskriminierungskritischer Perspektive auf die Auswirkungen von schädigenden Glaubenssätzen, Stereotypen und Zuschreibungen in Bildungseinrichtungen. Diese wirken sich negativ auf das Verhalten und Lernleistungen der Kinder und Jugendliche. Mit Inputs und interaktiven Phasen des Austauschs werden im Workshop Hintergründe zur Gewaltentstehung und Möglichkeiten zu präventivem Handeln erarbeitet.
Waltraud Eckert-König und Nele Kontzi (anti-bias-netz) (RAA Brandenburg)


5) ONLINE: Empowerment-Raum (ausschließlich für negativ von Rassismus und Antisemitismus betroffene Menschen)
Rassistische und antisemitische Diskriminierung und Gewalterfahrungen sind Alltagspha¨nomene und für viele Menschen auf individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene immer wieder spürbar. Wir mo¨chten einen Raum anbieten, der einen Austausch u¨ber Strategien und Umgang bei rassistischer und antisemitischer Diskriminierung eröffnet. Was tut uns/mir gut? Womit haben wir/ich positive und heilende Erfahrungen gemacht? Welche Netzwerke/Adressen sind empfehlenswert? Diesen Raum mo¨chten wir gemeinsam nach Bedarfen in der Gruppe mit euch gestalten.
Patricia Göthe & Mohamed Jouni (Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V., anti-bias-netz)

6) ONLINE: Sprache und Bilder: Framing von antimuslimischem Rassismus
In Sprache manifestieren sich rassistische und diskriminierende Wissensbestände. Das Verwenden von Begriffen beeinflusst einerseits unser Handeln und Denken und spiegelt andererseits gesellschaftliche Realitäten wider. Zusammen mit Sabine Schiffer diskutieren wir antimuslimischen Rassismus im Zusammenhang mit der Rolle von Medien und der Bedeutung von Framing.
Sabine Schiffer (Sprach- und Medienwissenschaftlerin HMKW, Leitung des IMV (Institut für Medienverantwortung )Berlin)

Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt. Der große Saal und die Toiletten im Refugio sind barrierereduziert zugänglich. Der Fahrstuhl ist aktuell in Reperatur (Stand 06.09.2022).

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V. (Projekt: Bildungsbausteine gegen antimuslimischen Rassismus, Für eine demokratische und pluralistische Gesellschaft), gefördert durch die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung – LADS, statt.


Die Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin.


Teilnahmegebühr

0,00 €


Termin(e)

Do. 06.10.2022, 09:30 - 16:00 Uhr


Zeitraum

Beginn: 06.10.2022 09:30
Ende: 06.10.2022 16:00
Ort: Refugio


Anmeldeschluss:


30.09.2022


Veranstaltungsort

  • Refugio
    Lenaustr. 3-4
    12047 Berlin



Termin(e)

Do. 06.10.2022, 09:30 - 16:00 Uhr

Datum Zeit Straße Ort
Do. 06.10.2022 09:30 - 16:30 Uhr Lenaustr. 3-4 Refugio
Teilnahmegebühr

0,00 €

Format

Fachtagung